Bis Brandenburg und retour

Nein, wir waren nicht mit acht Pferden auf Reisen, schon gar nicht mit solchen, die in zwei Richtungen ziehen (wie in Magdeburg gesehen). Wir konnten wieder mit den 82 Oldtimer-PS unseres Wohnmobils wegfahren. Diesmal stand ein Besuch in Brandenburg nördlich von Berlin am Programm. Bis dahin lagen rund 800 km vor uns und retour mindestens eben so viele. Die letzten acht Tage des Juni 2020 hatten wir freigeschaufelt, zwei Städte wollten wir bei der Hinfahrt besichtigen, dann unsere erste Enkelin und ihre Eltern für ein paar Tage treffen, und bei der Heimreise auch noch eine Stadt mitnehmen. Die Corona bedingte Grenzschließung wurde zum Glück rechtzeitig aufgehoben, die Mund-Nasen-Schutzmarken und Desinfektionsmittel waren eingepackt – es konnte also losgehen.

ElisAnte nennt sich in Duo-Kurzform das eingespielte Reiseteam!

Zehn Uhr Abfahrt in Ranshofen, einen Kilometer später unkontrolliertes Passieren der österreichisch-deutschen Grenze, um 14 Uhr Ankunft in Bamberg: Kommen wir wieder zu den Pferden – wir wollten ein wenig was von der Stadt und im Kaiserdom den Bamberger Reiter auf seinem Ross sehen.

BAMBERG

Der Wohnmobil-Standplatz neben dem Main-Donau-Kanal ist voll, also kreisen wir ein paar Runden und finden dann nahe dem Bistumhaus St. Otto eine Seitenstraßen-Parklücke. Auf Schusters Rappen (sind das auch Pferde?) sind wir bald in der Altstadt an der Regnitz. Ab hier dürfen ein paar Bilder für Bamberg sprechen:

Tags darauf erreichen wir nach viel Strecke ein weites Tal und fahren dort in die Stadt Magdeburg ein. Direkt am Elbe-Ufer ist viel Platz für Wohnmobile. Reichlich stehen sie schon da und wir gesellen uns dazu. Nach etwas Pause lockt auch schon die wiederum nahe Altstadt.

MAGDEBURG

Zahlreiche Kirchen kommen gleich ins Blickfeld, aber wir fangen wieder mit den Pferden an. Hier machte einst im 17. Jh. ein gewisser Otto von Guericke zwischen zwei Gespannen seine Vakuum-Versuche mit den sogen. Magdeburger Halbkugeln. Zudem glänzt vor dem alten Rathaus ein Goldener Reiter. Ein paar Aufnahmen können wieder einen kurzen Eindruck von der Stadt vermitteln:

Nach einem zeitlich dem Namen gerecht werdenden Frühstück verlassen wir den ruhigen Platz an der Elbe und damit Magdeburg. Bald folgt wieder ausreichend brummige Autobahnfahrt, aber ab dem nicht zu späten Vormittag ist Gegenverkehr angesagt. Nun dürfen wir die meist schnurgeraden Alleestraßen Brandenburgs und deren Schatten genießen:

Oft Linden – oder auch Eichen, Pappeln, Kastanien – säumen Brandenburgs Straßen im Freiland oder in Dörfern.

Unser Ziel ist das zur märkischen Stadt Lindow gehörige Hindenberg. Dort sind unsere Berliner – Thomas, Anne und Oda – gerade auf Urlaub und wir wollen sie besuchen.

HINDENBERG

So wie man Hindenburg (deutscher Reichpräsident von 1925 bis 1934) nicht mit einem wehrhaften Gebäude verbinden muss, so sollte man bei Hindenberg besser nicht an eine Geländeerhebung denken. Das Dorf liegt am Rand des Ruppiner Wald- und Seengebietes ziemlich nahe zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, also etwas südlich der bekannten Seenplatte. Die Orte sind hier alle recht gestreckt und die Häuser entlang der Straße gebaut. Hinter den Ansiedlungen dehnt sich viel weites, ebenes Land, Land für endlose Felder, Land für sich im Wind wiegende Ähren – Roggen, Weizen, Gerste und Hafer (letztere für die Pferde).

Wir suchen die alte, aufgelassene Dorfschule und die in der dazu gehörigen Scheune eingebaute Ferienwohnung. Es ist nicht ganz einfach. Selbst Corona würde hier ohne Navi nicht herfinden. Viel besser kann man sich in einer Pandemie nicht verkriechen. Schließlich gelingt es und wir verstecken unser Wohnmobil hinter einem breiten Einfahrtstor in einem zauberhaft verwucherten Garten:

Die frühere Dorfschule in Hindenberg in der Mark Brandenburg.

Noch weiter hinten, hinter der alten Scheune – oder war es früher ein Stall – sitzen wir dann öfters in einem der zahlreichen Grünräume zum Essen, zum Plaudern oder zum Schlafen im Liegestuhl. Wir, das sind statt bisher zwei nun fünf Personen:

Drei Berliner und zwei Ranshofner: Oda, Anne, Thomas, Elisabeth und Anton.

Am Donnerstag kommen wir an, am Montag ist das Treffen vorbei. Dazwischen gibt’s kleine Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung – dafür steht aus dem Berliner Auto-Zoo eine blaue Robbe zur Verfügung, die Oda richtig lieb gewonnen hat.

Leider sind die Tage in Brandenburg viel zu rasch vorbei – die Berliner müssen heim in die Stadt und wir die längere Rückfahrt Richtung Österreich antreten. Zum Abschied gibt’s noch ein romantisches Bild vom rosigen Garten – das im Märchenland schlafende Prinzesschen müssen wir leider hier zurück lassen:

Vielleicht kommen wir in hundert Jahren wieder und küssen Dornröschen wach?

Um 10 Uhr am Vormittag verlässt unser Hymer das friedliche Hindenberg. In einem mehr westlichen Bogen bleibt Brandenburg zurück, dann durchkurven wir Sachsen-Anhalt und Thüringen von Nord nach Süd, um schließlich am Abend in Bayern oder genauer im unterfränkischen Würzburg nahe dem Mainufer und der Festung für eine Nacht und einem Besuchsvormittag zu parken:

An den Hängen des Würzburger Marienberges sprießt der Wein und ober thront über dem Main die mächtige Festung.

Zum Tagesausklang machen wir noch einen gewitterstürmischen Spaziergang über die alte Mainbrücke und müssen gleich dahinter wegen Regen in den Ratskeller flüchten. Es sollte einem nichts Schlimmeres passieren: vorweg aber Maske ins Gesicht und Kontaktdaten in das Corona-Stammbuch, erst dann gibt’s kühles Bier und (wir sind ja in Deutschland) leckere Speisen – diesmal regionale Bockwurst mit Sauerkraut und Kartoffelschaum.

WÜRZBURG

Für den Altstadt- und Festungsbesuch nach ruhiger Nacht und baustellenlautem, aber wieder wettergünstigen Morgen dürfen auch hier exemplarisch einige wenige Pixeldateien aus dem Smartphone sprechen:

Unsere kurzen Schnupperstunden in Würzburg hinterlassen einen bleibenden Eindruck von der Stadt am Main. Wir sollten einmal mit mehr Zeit im Gepäck wiederkommen.

In einer kurzen Mittagspause stärken wir uns noch, dann tanken wir, bei einem Preis von € 1,059 je Liter Diesel für Deutschland günstig, das Wohnmobil auf und starten ab 14 Uhr zur letzten Etappe. Exakt zur Planzeit 18:00 haben die 82 Pferdestärken ganz ohne Hafer ihre Schuldigkeit hervorragend erledigt: 29 Jahre alt und kein bisschen müde freut sich der Turbo-Fiat unter der Motorhaube. Elisabeth und ich freuen uns über die gelungene Besuchsreise nach Brandenburg und das erste wieder mögliche Treffen in Coronazeiten mit den Berlinern.

Ein farbenfroher Plan zeigt grob unsere Fahrt ab Ranshofen im unteren Inntal, die Stadt-Stationen Bamberg an der Regnitz und Magdeburg an der Elbe, das ländliche Ziel Hindenberg im Havel-Einzugsgebiet, retour dann via Würzburg am Main und die Rückfahrtskurve im Donautal über Passau:

Eingewebt Anfang Juli 2020

Danke für die Nachreisebegleitung im Internet und bis zum nächsten Mal
sagt das Duo ElisAnte

Veröffentlicht von ANTE

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