Des Aenus‘ letzter Sieg

In coronaren Zeiten sind Reisen ins Ausland mit schlecht kalkulierbarem Ausgang verbunden. Komme ich problemlos wieder zurück? Wo kann ich mich testen lassen? Muss ich in Quarantäne? Bleibe ich gesund? Diese Unwägbarkeiten führten zu zahlreichen Stornos – Urlaube wurden gecancelt, mancher Törn am Meer verschoben. Wo finden sich Alternativen? Was ist dennoch möglich?

Wenn die Affinität zum Wasser auch in der Pandemie vorhanden bleibt, dann muss man eben auf das Naheliegende ausweichen.

Seit nun fast 50 Jahren leben meine Frau und ich in Braunau am Inn. Oft spazieren wir an „unserem Fluss“ entlang: an milden Tagen bei Sonnenschein oder windigen bei Regen, am tosenden Kraftwerk in Ranshofen vorbei zum Damm oder durchs beschauliche Vogelparadies der Hagenauer Bucht. Wir kennen seine aufgestaute Stille, aber auch die unbändige Kraft bei Hochwasser. Wir lieben die vielen Farbnuancen, sein gleißendes Funkeln, auch sein frostiges Grau. Die meisten Kilometer seiner Länge – es sind 517 – kennen wir ein wenig.

Der Lunghinsee oberhalb Maloja in den Schweizer Albula-Alpen auf 2485 Meter gilt als Ursprung des Inns.

Hoch oben in Graubünden beginnt es, hier muss im Zentralmassiv der Alpen das Schweizer Wasser sich entscheiden: Nordsee, Adria oder Schwarzes Meer. Vor sattsam Jahren sind wir ihm entlang gefahren, dem bescheidenen Bächlein aus dem Lunghinsee. Wir bestaunten die Farbe, die bei St. Moritz die Gletschermilch der Bernina ihm verpasst – sein Name bleibt erhalten und ab hier ist er der stolze „Grüne Inn“.

Eine historische Aufnahme aus 1992: mehr Gletschermilch als Inn-Wasser, aber doch behauptet sich sein Name: Inn.

Nahe beim Reschenpass will er fast zum Italiener werden, aber er entscheidet sich für das vielgeliebte Österreich. Durch den Alpenhauptkamm gräbt er sich verwegen hinunter. Bald lässt er die Landeshauptstadt Innsbruck hinter sich und auch Kufstein, die vielbesungene Perle Tirols. Verstärkt durch reichlich Seitental-Gewässer durchbricht er schließlich die Nördlichen Kalkalpen und gleitet hinaus ins nördliche Alpenvorland. Ein paar Wasserläufe sammelnd durchfließt er nun im großen Bogen das Bayernland. Ein wenig Heimweh plagt ihn doch und so holt er sich die hübsche Salzach ins Bett und gibt sich nun als stolzes Grenzgewässer zwischen Österreich und Deutschland. Hier stoppen wir die Fahrt entlang des Flusses, denn gleich nebenan liegt unsere Heimatstadt Braunau am rechten Ufer des Inns.

Braunau am Inn, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks, darf sich den Fluss mit dem bayrischen Simbach teilen.

Bekanntlich endet die lange Reise als Innwasser aber erst in der Donau. Natürlich durften wir die berühmte Mündungsstadt schon öfters besuchen und auch so manche Orte dazwischen, aber ein paar Kilometer fehlten immer noch, das letzte Stück, unser weißer Fleck, die finale Prüfung für den Wasserweg, der Durchbruch von Schärding nach Passau. Ein Karte gibt einen schnellen Überblick zum gesamten Verlauf des Flusses:

Der Inn auf seinem Weg zur Donau – En heißt er bei den Rätoromanen und Aenus nannten ihn die Römer.

Die besondere Herausforderung vor dem Ziel ist der beginnende Granit der Böhmischen Masse in ihren südlichen Rändern. Bavarikum nennen das Gebiet die Geologen in einem Tektonischen Überblick:

Gelb markiert ist hier der letzte Weg des Inns und ausgerechnet rosa gefärbt ist der harte Durchbruch zur Donau.

Es ist der 1. Oktober 2020 und ein strahlend schöner Herbsttag. Vor einem Jahr waren wir zuletzt am Wasser unterwegs – an diesem Tag in Italien von Agropoli nach Maratea (sh. Berichtelink). Jetzt wollen wir, nach mindestens drei vermasselten Törns am Meer, das erste Mal wieder auf ein Schiff. Corona erlaubt zumindest das Naheliegende – es ist Zeit die Heimat zu entdecken. Nun laden Elisabeth und ich dich ein. Zusammen wollen wir unser Missing Link einfügen. In Schärding kann es losgehen und bis zum Kraftwerk Ingling sollte uns der Inn problemlos tragen. Dort versperrt die fehlende Schleuse leider kurz vor Passau die Einfahrt in die Donau, aber da waren wir ab der Innstadt ohnehin schon spazierend unterwegs.

Auffällig schmal im Fleckerlteppich gibt sich vor allem das Inntal von Vornbach bis Wernstein: Aber Aenus gibt sich nicht geschlagen!

Wir suchen uns – Maps sei nicht gedankt, es führt uns vorerst in die Irre – die Bootsanlegestelle von Kapitän Schaurecker in Schärding. Sie liegt mittig zwischen den beiden Innbrücken genau gegenüber dem Kloster Neuhaus oder etwas weiter gefasst wiederum genau zwischen der Mündung der Rott auf bayrischer und der der Pram auf oberösterreichischer Seite:

Jetzt aber sind wir da, Masken auf zum Einsteigen – 14 Uhr zeigt das Smartphone, es kann losgehen. Durch Klicken auf das erste Bild der Kleinansichten folgt eine vergrößerte Anzeige mit etwas erklärendem Text je Aufnahme:

Herrliche zwei Stunden Innschifffahrt und ein netter Spaziergang durch die sehr sehenswerte barocke Altstadt Schärdings liegen hinter uns und wir können den Ausflug nur empfehlen. Falls du auch einmal zwei interessante und beschauliche Stunden auf dem Inn verbringen möchtest, dann such dir einen sonnigen Tag mit normalem Pegelstand dafür aus und mach dich auf die Socken. Die wichtigsten Informationen findest du vorab durch Klicken auf den nachfolgenden Screenshot:

Das mit dem oben erwähnten Pegelstand ist nicht ganz unwichtig. Was der Inn mit der Umgebung von Schärding und Neuhaus anstellen kann, weil die Wassermassen bei Hochwasser nicht schnell genug durch die Enge zwischen Vornbach und Wernstein hindurch können, das zeigt ein Bild aus 2013:

Das Inn- und Pramtal sind im Hochwasser versunken – im Vordergrund das Kloster Neuhaus umzingelt.

Um es hier nicht tragisch ausklingen zu lassen: Normalerweise bringt der Inn sein Wasser problemlos durch die Granitenge und lässt in Ingling noch einmal, so wie schon in über zwanzig Kraftwerken davor, einen Teil seiner Power zurück. Aenus hat nun seinen letzten Sieg errungen. Nun kann er friedlich und entspannt seiner Bestimmung entgegengleiten: sie, die schöne Blaue, wartet auf ihn und er, der Grüne färbt sie ein Stück weit mit seinem Samen:

Nun versucht die Donau das Grün des Inns in Blau umzufärben! Was in Passau normal ist, das wär es politisch nicht.

Was würde zum Abschluss meiner Nachmittagsgeschichte besser passen, als eine Aufnahme des auf einem mächtigen Huchen reitenden göttlichen Aenus in gelungener Darstellung des personifizierten Inns:

Skulptur in Simbach am Inn vor der alten Flussbrücke hinüber zu unserer Heimatstadt Braunau

Nordseestrand und Pudersand

Ganz besondere Umstände, Corana und die Absage von Segeltörns mit eingeschlossen, führten uns – Elisabeth und mich – in der zweiten Augustwoche 2020 zum Sommerurlaub nicht in den Süden, sondern zum nördlichsten Deutschland auf die Insel Sylt.

Unsere gebuchte Ferienwohnung in Hörnum sollte uns vom 8. bis 15. als angenehmes Basislager für interessante Inselbesichtigungen, erholsame Strandwanderungen und kühlende Bade-Einlagen dienen. Dass dem entsprochen werden würde, daran hatten wir keinerlei Zweifel, konnten wir doch schon früher zahlreiche positive Erfahrungen mit den Angeboten der Schweizer Homesharing-Gesellschaft HAPIMAG machen, deren Mitglied bzw. Aktionär wir seit über dreißig Jahren sind.

Soweit so kurz die schlanke Einleitung. Wie immer beginnt ein Urlaub mit der Anreise – diesmal geplant nicht mit dem Wohnmobil in Etappen, sondern mit dem PKW in einem Zug, d.h. aber nicht mit der Eisenbahn, sondern zügig die gut 1.000 km ohne viel Pause mit dem Auto abrollen. Ein wenig Huckepack-Transport sollte aber doch sein, denn Sylt ist mit dem deutschen Festland nur über den Hindenburg-Schienendamm verbunden – es gibt keine Straßenbrücke. Der letzte Shuttlezug laut Fahrplan ist für 21 Uhr ab Niebüll am Festland in Schleswig-Holstein nach Westerland auf Sylt vorgesehen. Diesen gilt es zu erreichen. „Wir schaffen das!“ hatte vor uns schon eine sehr bekannte Deutsche überzeugend formuliert, also schließen wir uns ihrer Meinung an.

Quer durch ganz Deutschland von Süd nach Nord steht am Programm!

Um 6 Uhr früh starten wir unseren Mini-Stuttgarter in Ranshofen, um 11:15 – kurz vor Magdeburg – gibt der rechte Antriebstrang den Geist auf. Mit letztem Schwung schaffen wir es am Pannenstreifen bis zu einer Autobahn-Ausfahrt und mit Anschieben in den Schatten eines Feldweges – es hat über 30 Grad. Anruf ÖAMTC-Schutzbrief-Nummer, Abtransport durch ADAC zu Stern Auto Magdeburg, keine schnelle Reparatur, also Leihwagensuche ab Samstag Mittag an einem Hochsommer-Urlaubswochenende: Avis und Sixt sind ausgebucht, aber bei Europcar bekommen wir, aber erst mit Maske in der Warteschlange stehend, doch noch einen Opel Crossland X. Ab 16 Uhr spulen wir die restlichen 470 km auf neuem Untersatz zügig ab und erreichen den letzten Shuttlezug nach Sylt.

Shuttlezug geschafft: Gleich werden wir zum Porsche da vorne aufschließen – keine Chance zum entkommen!
Ganz im Süden der Insel Sylt liegt Hörnum – ab Bahnhof Westerland noch eine halbe Stunde Nachtfahrt!

Um 22:30 holen wir bei Hapimag in Hörnum den Schlüssel aus dem Schließfach und beziehen unsere Wohnung. Der Urlaub kann mit einem verdienten Schlaf nun wirklich beginnen.

Für den Aufenthalt auf der langen nordfriesischen Insel sprechen am besten Bilder mit etwas Kommentar dazu. Klicke auf ein beliebiges Bild zur Vergrößerung:

Ein von Strand, Meer und einer landschaftlich traumhaften Insel geprägter Urlaub ist zu Ende. Dank der besonderen Randlage von Hörnum und unserer von vorne herein beabsichtigten Vorsicht konnten wir auch mit den Corona-Einschränkungen sehr gut zurecht kommen. Am 15. August steht die Heimreise an. Wir brechen um 4 Uhr früh in Hörnum auf, kurz nach 5 Uhr setzt sich der Shuttlezug, voll mit Autos beladen, ab Westerland in Bewegung. Langsam kommt der junge Tag hinter dem Hindenburgdamm in Sicht:

Ab Niebüll rollt der Opel Crossland X wieder auf eigenen Rädern und spurtet mit häufig 200 km/h Magdeburg entgegen – es ist Samstag und wir müssen bis Mittag dort die Autos tauschen. Das ist auch gut so, denn mit unserem derzeitigen KFZ-Kennzeichen könnte in Österreich ein Verdacht auf Wiederbetätigung entstehen. HH und 88 sind bei uns diesbezüglich anstößig:

Und noch dazu sind die Initialen seines Namens auch die meinen – also besser umsteigen!

Noch vor Mittag begleichen wir die Reparatur-Rechnung bei Stern Auto in Magdeburg, laden das Gepäck um und geben den flotten Opel bei Europcar zurück.

Unser etwas lahmeres Sternchen läuft wieder gut und um 18 Uhr hat der Reisetag seine gut 1.000 Kilometer ohne murren erledigt.

Tags darauf geht eine Email nach Magdeburg – Titel: Sylt-Urlauber wieder gut in Österreich gelandet.

Auch dem Österreichischen Automobil- und Touring-Club / ÖAMTC und dem abwickelnden ADAC möchten wir für den schnellen Panneneinsatz ein Danke sagen.

Das Bild der dankbaren „Strandaffen“ darf auch hier als Anhang nicht fehlen:

Ein Urlaub geht immer so schnell vorbei, nichts ist von Dauer, wie es Hermann Hesse so treffend formulierte – aber schöne Erinnerungen bleiben eine Zeitlang doch in uns.

Bis Brandenburg und retour

Nein, wir waren nicht mit acht Pferden auf Reisen, schon gar nicht mit solchen, die in zwei Richtungen ziehen (wie in Magdeburg gesehen). Wir konnten wieder mit den 82 Oldtimer-PS unseres Wohnmobils wegfahren. Diesmal stand ein Besuch in Brandenburg nördlich von Berlin am Programm. Bis dahin lagen rund 800 km vor uns und retour mindestens eben so viele. Die letzten acht Tage des Juni 2020 hatten wir freigeschaufelt, zwei Städte wollten wir bei der Hinfahrt besichtigen, dann unsere erste Enkelin und ihre Eltern für ein paar Tage treffen, und bei der Heimreise auch noch eine Stadt mitnehmen. Die Corona bedingte Grenzschließung wurde zum Glück rechtzeitig aufgehoben, die Mund-Nasen-Schutzmarken und Desinfektionsmittel waren eingepackt – es konnte also losgehen.

ElisAnte nennt sich in Duo-Kurzform das eingespielte Reiseteam!

Zehn Uhr Abfahrt in Ranshofen, einen Kilometer später unkontrolliertes Passieren der österreichisch-deutschen Grenze, um 14 Uhr Ankunft in Bamberg: Kommen wir wieder zu den Pferden – wir wollten ein wenig was von der Stadt und im Kaiserdom den Bamberger Reiter auf seinem Ross sehen.

BAMBERG

Der Wohnmobil-Standplatz neben dem Main-Donau-Kanal ist voll, also kreisen wir ein paar Runden und finden dann nahe dem Bistumhaus St. Otto eine Seitenstraßen-Parklücke. Auf Schusters Rappen (sind das auch Pferde?) sind wir bald in der Altstadt an der Regnitz. Ab hier dürfen ein paar Bilder für Bamberg sprechen:

Tags darauf erreichen wir nach viel Strecke ein weites Tal und fahren dort in die Stadt Magdeburg ein. Direkt am Elbe-Ufer ist viel Platz für Wohnmobile. Reichlich stehen sie schon da und wir gesellen uns dazu. Nach etwas Pause lockt auch schon die wiederum nahe Altstadt.

MAGDEBURG

Zahlreiche Kirchen kommen gleich ins Blickfeld, aber wir fangen wieder mit den Pferden an. Hier machte einst im 17. Jh. ein gewisser Otto von Guericke zwischen zwei Gespannen seine Vakuum-Versuche mit den sogen. Magdeburger Halbkugeln. Zudem glänzt vor dem alten Rathaus ein Goldener Reiter. Ein paar Aufnahmen können wieder einen kurzen Eindruck von der Stadt vermitteln:

Nach einem zeitlich dem Namen gerecht werdenden Frühstück verlassen wir den ruhigen Platz an der Elbe und damit Magdeburg. Bald folgt wieder ausreichend brummige Autobahnfahrt, aber ab dem nicht zu späten Vormittag ist Gegenverkehr angesagt. Nun dürfen wir die meist schnurgeraden Alleestraßen Brandenburgs und deren Schatten genießen:

Oft Linden – oder auch Eichen, Pappeln, Kastanien – säumen Brandenburgs Straßen im Freiland oder in Dörfern.

Unser Ziel ist das zur märkischen Stadt Lindow gehörige Hindenberg. Dort sind unsere Berliner – Thomas, Anne und Oda – gerade auf Urlaub und wir wollen sie besuchen.

HINDENBERG

So wie man Hindenburg (deutscher Reichpräsident von 1925 bis 1934) nicht mit einem wehrhaften Gebäude verbinden muss, so sollte man bei Hindenberg besser nicht an eine Geländeerhebung denken. Das Dorf liegt am Rand des Ruppiner Wald- und Seengebietes ziemlich nahe zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, also etwas südlich der bekannten Seenplatte. Die Orte sind hier alle recht gestreckt und die Häuser entlang der Straße gebaut. Hinter den Ansiedlungen dehnt sich viel weites, ebenes Land, Land für endlose Felder, Land für sich im Wind wiegende Ähren – Roggen, Weizen, Gerste und Hafer (letztere für die Pferde).

Wir suchen die alte, aufgelassene Dorfschule und die in der dazu gehörigen Scheune eingebaute Ferienwohnung. Es ist nicht ganz einfach. Selbst Corona würde hier ohne Navi nicht herfinden. Viel besser kann man sich in einer Pandemie nicht verkriechen. Schließlich gelingt es und wir verstecken unser Wohnmobil hinter einem breiten Einfahrtstor in einem zauberhaft verwucherten Garten:

Die frühere Dorfschule in Hindenberg in der Mark Brandenburg.

Noch weiter hinten, hinter der alten Scheune – oder war es früher ein Stall – sitzen wir dann öfters in einem der zahlreichen Grünräume zum Essen, zum Plaudern oder zum Schlafen im Liegestuhl. Wir, das sind statt bisher zwei nun fünf Personen:

Drei Berliner und zwei Ranshofner: Oda, Anne, Thomas, Elisabeth und Anton.

Am Donnerstag kommen wir an, am Montag ist das Treffen vorbei. Dazwischen gibt’s kleine Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung – dafür steht aus dem Berliner Auto-Zoo eine blaue Robbe zur Verfügung, die Oda richtig lieb gewonnen hat.

Leider sind die Tage in Brandenburg viel zu rasch vorbei – die Berliner müssen heim in die Stadt und wir die längere Rückfahrt Richtung Österreich antreten. Zum Abschied gibt’s noch ein romantisches Bild vom rosigen Garten – das im Märchenland schlafende Prinzesschen müssen wir leider hier zurück lassen:

Vielleicht kommen wir in hundert Jahren wieder und küssen Dornröschen wach?

Um 10 Uhr am Vormittag verlässt unser Hymer das friedliche Hindenberg. In einem mehr westlichen Bogen bleibt Brandenburg zurück, dann durchkurven wir Sachsen-Anhalt und Thüringen von Nord nach Süd, um schließlich am Abend in Bayern oder genauer im unterfränkischen Würzburg nahe dem Mainufer und der Festung für eine Nacht und einem Besuchsvormittag zu parken:

An den Hängen des Würzburger Marienberges sprießt der Wein und ober thront über dem Main die mächtige Festung.

Zum Tagesausklang machen wir noch einen gewitterstürmischen Spaziergang über die alte Mainbrücke und müssen gleich dahinter wegen Regen in den Ratskeller flüchten. Es sollte einem nichts Schlimmeres passieren: vorweg aber Maske ins Gesicht und Kontaktdaten in das Corona-Stammbuch, erst dann gibt’s kühles Bier und (wir sind ja in Deutschland) leckere Speisen – diesmal regionale Bockwurst mit Sauerkraut und Kartoffelschaum.

WÜRZBURG

Für den Altstadt- und Festungsbesuch nach ruhiger Nacht und baustellenlautem, aber wieder wettergünstigen Morgen dürfen auch hier exemplarisch einige wenige Pixeldateien aus dem Smartphone sprechen:

Unsere kurzen Schnupperstunden in Würzburg hinterlassen einen bleibenden Eindruck von der Stadt am Main. Wir sollten einmal mit mehr Zeit im Gepäck wiederkommen.

In einer kurzen Mittagspause stärken wir uns noch, dann tanken wir, bei einem Preis von € 1,059 je Liter Diesel für Deutschland günstig, das Wohnmobil auf und starten ab 14 Uhr zur letzten Etappe. Exakt zur Planzeit 18:00 haben die 82 Pferdestärken ganz ohne Hafer ihre Schuldigkeit hervorragend erledigt: 29 Jahre alt und kein bisschen müde freut sich der Turbo-Fiat unter der Motorhaube. Elisabeth und ich freuen uns über die gelungene Besuchsreise nach Brandenburg und das erste wieder mögliche Treffen in Coronazeiten mit den Berlinern.

Ein farbenfroher Plan zeigt grob unsere Fahrt ab Ranshofen im unteren Inntal, die Stadt-Stationen Bamberg an der Regnitz und Magdeburg an der Elbe, das ländliche Ziel Hindenberg im Havel-Einzugsgebiet, retour dann via Würzburg am Main und die Rückfahrtskurve im Donautal über Passau:

Eingewebt Anfang Juli 2020

Danke für die Nachreisebegleitung im Internet und bis zum nächsten Mal
sagt das Duo ElisAnte

Eine maritime Rätselreise

Unter coronaren Beschränkungen ist reales Unterwegssein an Küsten und auf den Meeren weitgehend untersagt worden. Eine virtuelle Reise via Internet ist uns jedoch offen geblieben. Wer also gerne eine Fahrt ins Blaue, an die Adria, das Mittelmeer, den Atlantik, an die Nord- oder Ostsee von daheim aus antreten möchte, der darf gerne den nachstehenden Link benutzen. In 100 Bildern darfst du raten, wo du dich gerade befindest und am Ende der Reise kannst du dir ein Protokoll per Email zukommen lassen, wie erfolgreich du warst. Mit Klick auf den nachstehenden Titel geht’s los – viel Spaß dabei:

Die virtuelle Rätselreise für Revierkundler

Home-Mobiling in Oberösterreich

Nach Home-Quarantäne, Home-Office, Home-Schooling nun auch noch Home-Mobiling – gemeint ist die langsame Öffnung des Zuhause in Corona-Zeiten. Unser alter Motor-Caravan ist für die vorsichtige Mobilisierung der eingefrorenen Reisetätigkeit ausgezeichnet geeignet. Das langsame Hochfahren wird hier im wahrsten Sinne des Wortes betrieben. Die Insassen sind noch immer daheim, aber doch schon unterwegs, sie können weiterhin gut Abstand halten, fühlen sich aber nicht mehr eingesperrt.

Wir machen nun eine Wohnmobil-Ausfahrt in die nicht all zu ferne Umgebung, eine Kurzreise ohne große Planung, eine Fahrt ins Blaue oder mehr ins Grüne (weil wir Blau eher mit dem Meer verbinden, aber da dürfen wir noch nicht hin, wir müssen vorerst in Österreich bleiben).

Ab 20. Mai 2020 fahren wir nach dem Corona-Shutdown erstmals wieder für ein paar Tage ins Grüne!

Wir, das sind Elisabeth (die Reiseleiterin und Küchenchefin) und Anton (der Berg- und Tal-Chauffeur) als eingespieltes Team. Das Oberösterreichische, speziell das Inn- und Donautal mit einigen angrenzenden Landschaften sind unsere Schnupperziele. Manches kennen wir bereits von früher, manches ist uns neu, reizend finden wir beides. Wir starten in Ranshofen unseren alten, aber supertreuen Hymer (nächstes Jahr feiert er seinen 30. Geburtstag) bei idealem Tourenwetter.

Du kannst nun, wenn du willst – sozusagen als Trittbrettfahrer – mitkommen bei unserem Ausflug ins Grüne. Klicke dazu am besten auf die erste Bildminiatur!

So, jetzt sind wir wieder gut zurück und du kannst abspringen. Hoffentlich hat es dir gefallen. Wir jedenfalls empfanden unsere kleine Ausfahrt als eine sehr gemütliche Kurzreise.

In Anbetracht des letzten Besuchsortes Mauthausen haben wir das Gefühl, dass unsere begrenzende Corona-Situation eher nur ein Jammern auf sehr sehr hohem Niveau zulässt. Dennoch freuen wir uns auf mehr Öffnung und vor allem auch wieder einmal auf mehr zwischenmenschliche Kontakte, auf mehr Besuche und natürlich auf das Blaue, das Meer. Zum Abschluss wünschen wir uns gemeinsam weiterhin Abstand, Vorsicht, Rücksicht und so hoffentlich Gesundheit in dieser außergewöhnlichen Zeit – damit uns keiner aus dem Rahmen bzw. in die Kiste fällt.

Danke für die virtuelle Reisebegleitung sagt Ante

Osterfrühling in der Pandemie

Elisabeth hat ein farbenfrohes Osterfrühstück nur für zwei auf der Terrasse angerichtet. Besucher sind keine da. Der Morgen ist warm und alles sieht auf den ersten Blick recht friedlich aus, aber:

Weltweit ist das Leben für die Menschen nicht mehr so, wie es vor kurzem noch war. Wir in Österreich sind dank frühzeitig angeordneter und wirkungsvoller Maßnahmen verhältnismäßig gut im Corona-Abwehrkampf unterwegs. Mittels weitgehender Vermeidung von sozialen Direktkontakten, dem Verbot von Veranstaltungen, dem Tragen von Mund- und Nasenschutzmasken in vielen Bereichen, der Schließung von Kindergärten, Schulen und Universitäten, einem weitgehenden Home-Office, viel Kurzarbeit usw. konnte eine zu extreme Eskalation von Covid-19-Infektionen verhindert werden. Viele Menschen sind durch diese Vorgaben der Regierung aber in eine auf Dauer schwer verkraftbare Isolation geschlittert: Kinder können ihre Freunde oder Omas/Opas nicht mehr besuchen, Kontakte zu Arbeitskollegen finden häufig nur mehr via Telefon bzw. Video-Meetings statt. Eine beachtliche Zahl der unabkömmlichen Einsatzkräfte arbeitet unter besonders erschwerten und ansteckungsgefährdeten Bedingungen trotzdem weiter (Gesundheits-, Pflege- und Reinigungspersonal, Beschäftigte im Produktions- und Verteilungsbereich, die Exekutive, viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft um nur einige zu nennen). Eltern und Schüler sehen sich plötzlich mit ungewohnt forderndem Homeschooling konfrontiert. Zu den Problemen wegen fehlender Sozialkontakte kommen die Sorgen um den wirtschaftlichen Fortbestand vieler Firmen und damit einhergehend die Unsicherheit für viele Menschen um das persönliche finanzielle Auskommen. Die Arbeitslosigkeit ist enorm angestiegen. Eine weltweit beachtliche Rezession wird mit hoher Sicherheit bereits prognostiziert. Zu all dem bleiben die Zukunftsperspektiven zur Zeit sehr im Nebulosen: Es gibt momentan weder eine sichere Medikation bei Erkrankung mit dem Virus, noch ist ein Impfstoff in naher Zukunft in Sicht. Eine gut überstandene Infektion brächte für den Einzelnen wahrscheinlich die notwendige Immunität für zumindest einige Monate, aber wer will das riskieren. Vor allem die ältere Generation darf das nicht, viele könnten es mit dem Leben bezahlen und einige – weltweit sehr viele – haben es schon. Bleibt also weiterhin auf unbestimmte Zeit nur die weitgehende Kontaktvermeidung – bis es zu einer sogenannten Herdenimmunität durch überstandene Erkrankungen bzw. wirksame Impfungen kommt. Eventuelle Lockerungen der Einschränkungen werden zwar langsam kommen, können aber nur insoweit erfolgen, wie das Gesundheitssystem nicht überfordert wird und werden sicher vorerst nur national möglich sein. International gesehen ist die Corona-Pandemie in vielen Ländern erst am Anfang. Die Reisefreiheit, speziell ins Ausland, wird bestimmt noch länger auf sich warten lassen.

Man muss die Feste feiern wie sie fallen:

Privat gesehen sind alle Treffen abgesagt – auch Verwandtenbesuche unterschiedlicher Haushalte sind verboten. Gerade zum Osterfest war auch in unserem Familienverband immer eine Zusammenkunft üblich. Im Jahr 2020 geht das nicht. Unsere vom Osten Österreichs bis zum Westen und Norden Deutschlands verstreute Gemeinschaft ist zusätzlich durch gesperrte Landesgrenzen geteilt. Grenzenlos ist zum Glück noch immer das Internet, also darf es heuer erstmalig und hoffentlich einmalig ein Video-Meeting sein. Nach etwas technischen Problemen können wir uns via „jitsi.org“ mit unseren drei Söhnen und deren Familien auf den jeweiligen Heimgeräten mit Bild und Ton zusammenschalten und eine Stunde lang die eingeschränkten Freuden der Coronazeit besprechen. Für die Kindern ist es erst sehr aufregend, aber bald auch zu langweilig. Jana, das jüngste Mitglied der Runde, verschläft das virtuelle Treffen im Gitterbett, aber zumindest ihr Stoffhase schafft es stellvertretend auf den folgenden Schnappschuss, so ist das Dutzend voll:

Im Uhrzeigersinn ab 12 Uhr: Wien, Berlin, Grönenbach und Ranshofen!

Im christlichen Neuen Testament wandern am Ostermontag zwei Jünger Jesu hinaus nach Emmaus und wundern sich dort, dass der schwere Stein vorm Grab schon weggewälzt ist. Unser Pandemie-Brocken ist es nicht, unsere Auferstehung lässt noch auf sich warten, aber ein Spaziergang hinaus in die erwachte Natur bei Vermeidung von engeren Kontakten mit anderen Wanderern ist erlaubt. Elisabeth und ich fahren mit dem Auto wenige Kilometer von Ranshofen Richtung Burghausen und parken in Oberrothenbuch nahe der Mündung des Griesbachs in den Inn. Nun wandern wir von der Ebene des Inntales durch den Wald und eine aufgelassene Schottergrube die Stufe hinauf Richtung der höher gelegenen Ortschaft Roith. Oben halten wir uns links und schlendern einem alten Bauernsacherl zu:

Hinter herrlich blühenden Birnbäumen duckt sich ein altes Haus – heute Weber-Sölde genannt.

Wir sind alleine unterwegs, niemand kommt uns in die Nähe und mir kommt ein Gedicht aus der Schulzeit in den Sinn. Es ist kein geringeres als J. W. von Goethes Osterspaziergang aus seinem Faust I. Ich kann meiner Frau zumindest die erste Strophe noch vollständig wiedergeben: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche ….“! Ja, die Vegetation ist heuer schon sehr weit fortgeschritten, wohl um einiges weiter als damals gegen Ende des 18. Jahrhunderts zur Zeit des Dichterfürsten. So ist die Stelle mit „… doch an Blumen fehlts in Revier. Sie nimmt geputzte Menschen dafür. …“ nicht sehr zutreffend. Niemand ist hier festlich gekleidet, aber eine bunte Zahl von Frühjahrsblühern säumt dafür die Wegränder und bringt Farbe ins Grün der Landschaft. Wie gut, dass mein Smartphone in der Hose steckt. Während wir uns in unserer Spazierrunde durch eine Tell’sche hohle Gasse wieder ins Inntal absenken und dieses in einem Bogen durchwandern, da werden quasi im Vorbeigehen ein paar Farbtupfer in den digitalen Speicher eingefangen. Du kannst die nachfolgende kleine Sammlung gerne mittels Touch oder Klick für dich vergrößern. Erwarte dir aber keine hochgezüchteten Gärtner-Exemplare. Hier findest du nur das einfache Glück einer fast naturbelassener Flur – von Wald, Feld, Wiese, Gewässer oder dem bäuerlichen Obstgarten:

Lassen wir den von der Krise Abstand gewinnenden und erholsamen Osterspaziergang mit Goethe im Gedicht versmelodisch ausklingen:
„Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“!

Zurück in der pandemisch gefährlichen bis tödlichen Realität schafft ein gewisser US-Präsident, bekannt für seine Alternativen Fakten, gerade zur Osterzeit einen wohl nicht gewollten Rekord (bald wird er diesen als Fake bezeichnen):

Nun legt er sich gerade mit den Gouverneuren einiger Bundesstaaten an, die seine unkoordinierten Maßnahmen nicht mittragen können. Schuld an der Misere ist zudem natürlich nicht er, der zu lange die Gefahr missachtete, sondern vor allem die WHO, der er nun Versäumnisse vorwirft und die Mitgliedsbeiträge streichen will. Gerade jetzt in dieser globalen Krise bräuchten wir Führer mit Teamgeist und Weitblick – keine Egomanen im Wahlkampfmodus.

An uns liegt es, von Typen a la Trump und natürlich vom Corona-Virus Abstand zu halten – dann kriegen wir das hin und bleiben hoffentlich gesund! Für nächstes Jahr wünschen wir dem Osterhasen und uns eine bessere Saison.

Bedrohlich schöne Nano-Welt

Sieht doch ziemlich maritim aus, das Startbild dieses Beitrags: könnten Muscheln, Schneckengehäuse, Seeigel etcetera sein. Beim genaueren Blick ist es aber auch nicht ausgeschlossen, dass es ein etwas tieferer Einblick in die Schöpfung ist. Für alle vom Segelvirus befallenen Internet-Surferinnen und -Surfer gibt es hier eine kleine Bildersammlung der Aufnahmen der heurigen Segelsaison. In Ermangelung der sonst üblichen Schnappschüsse von flotten Yachten, sportlichen Einsätzen, reizenden Küstenorten oder traumhaften Inseln muss auf die derzeit so häufig gezeigten Motive aus dem Nanobereich zurückgegriffen werden. Klicke dazu auf einen nachstehenden Thumbnail und vergrößere dir damit die Miniaturansichten. Du wirst dich dem Reiz der farbenprächtigen Minimonster nicht ganz entziehen können:

Ja, die Erdbewohner haben seit Februar/März 2020 ein massives Problem mit der Corona-Pandemie – die gewohnte Stabilität unseres Planeten wackelt bedrohlich. Zur Zeit müssen wir uns auf unsichere Rettungsmittel verlassen und hoffen, dass bald wieder festes Land in Sicht kommt.

Corona kappt den YCBS-Cup

Die Meldungen bald nach Jahresbeginn aus dem fernen China waren zwar schrecklich, aber das Geschehen doch sehr weit von uns Europäern weg. Noch fühlten wir uns sicher. Als aber dann das Corona-Virus auf die ganze Erde und speziell auch auf Italien überzuschwappen begann, da wurden wir auch in Österreich hellwach. Erste Maßnahmen der Bundesregierung ließen uns den Ernst der Lage bald erkennen.

Das ganze Leben musste nun der Verlangsamung und Bekämpfung der zur Pandemie erklärten Gefahr untergeordnet werden. Fixierte Zukunftspläne, zum Beispiel Auslandsreisen, galt es nun zu stornieren. Für den Yachtclub Braunau-Simbach (YCBS) stand ab 4. April 2020 eine Segelwoche in Italien bevor. Eine Absage war für die gemeldeten Teilnehmer unumgänglich. Ein Beitrag dazu:

Der YCBS-Cup 2020 und Corona –
stornierte Träume und aufgefrischte Erinnerungen

Unser Strom vom Sonnenweg

Am Ende des 2. Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts ist es unübersehbar geworden: unser Klima ist in akuter Gefahr zu kippen. Greta Thunberg gelang es, das Thema ins Bewusstsein vieler Menschen zu rücken. Die alternativen Fakten eines Donald Trump können die Bewegung zum Glück nicht mehr stoppen. Unser aller hoffen ist es nun, dass es zum Handeln noch nicht zu spät ist.

Bereits vor gut 10 Jahren haben meine Frau und ich für uns einen ersten Schritt gemacht. Seither arbeitet unsere kleine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ganz ohne Öl wie geschmiert – dazu ein Link auf eine Zwischenbilanz:

KLIMASCHONENDER STROM AUS DER SONNENSTECKDOSE

Weitere Schritte werden folgen – überleg auch du dir was.